Magerwiesen und ihre Artenvielfalt: Beispiel Reifenberger Wiesen

Verfasst von: Sylvia Haendschke
Die Reifenberger Wiesen im Sommer
Die Reifenberger Wiesen im Sommer  Bild: Naturefund
Ähnlich wie Halbtrockenrasen oder Streuobstwiesen erfreuen blütenreiche Magerwiesen in Deutschland nicht nur das Auge von vielen Spaziergängern oder Touristen aus dem Ausland, sondern sie sind auch ein schützenswerter Lebensraum für viele selten gewordene Tier- und Pflanzenarten. Eines dieser schützenswerten Projekte sind die Reifenberger Wiesen im Hochtaunus, in denen unter anderem 36 Tagfalter ein Zuhause haben.

Magerwiesen entwickeln sich vor allem auf nährstoffarmen Böden. Dort sind die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere nicht einfach, sodass es die einzelnen Arten sehr schwer haben, sich übermäßig zu vermehren und damit andere Arten zu verdrängen. Die Biodiversität dieser besonderen Wiesenart der Magerwiesen ist um ein Vielfaches höher als bei anderen Wiesen wie zum Beispiel den Fettwiesen. Fettwiesen gedeihen auf nährstoffreichen Böden, die vor allem über einen hohen Stickstoffgehalt verfügen. Deshalb existieren dort weniger Arten als auf Magerwiesen, auf denen viele Spezialisten ein Zuhause finden, die sich besonders gut an die nährstoffarmen Umweltfaktoren angepasst haben. Gerade diese spezielle Artenvielfalt der seltenen Tiere und Pflanzen auf den Magerwiesen sollte erhalten bleiben.

Reifenberger Wiesen - Schmetterlingsparadies

Die Reifenberger Wiesen, die sich im Ortsteil Oberreifenberg im Hochtaunuskreis befinden, gehören zu den wertvollsten Lebensräumen in Deutschland, in denen seltene Schmetterlinge vorkommen, wie zum Beispiel der vom Aussterben bedrohte Lilagold-Feuerfalter. Dieser Schmetterling konnte bisher in Deutschland nur noch in den Reifenberger Wiesen und in vier anderen Orten in Hessen gefunden werden. Die Magerwiesen im Hochtaunus erstrecken sich über eine Fläche von rund 56.000 m². Von diesem Gebiet möchte der naturefund e.V. zunächst 10000 m² kaufen. Später sollen eventuell weitere Flurstücke erworben werden. Gemeinsam mit dem Entomologischen Verein Apollo e. V. will naturefund einen Großteil der Flächen der Reifenberger Wiesen dauerhaft schützen.

Männchen vom Lilagold-Feuerfalter ©Alfred Westenberger
Blick auf die Arnika, im Hintergrund einige Wanderer ©Naturefund
Ringelnatter in den Reifenberger Wiesen ©Naturefund

Der Pflanzen- und Schmetterlingsreichtum der Reifenberger Wiesen konnte sich nur aufgrund der Hanglage im Hochtaunus entwickeln, die über viele Jahrhunderte nur extensiv bewirtschaftet wurde. Hier hat man weitgehend auf Pestizide und Dünger verzichtet, sodass artenreiche Magerwiesen entstanden. Aufgrund dieses immensen Artenreichtums, der in Deutschland und Europa nur noch sehr selten zu finden ist, wurden die Reifenberger Wiesen nach der EU-Richtlinie 92/43/EWG zum FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) erklärt. Die Wiesen werden nur sehr selten, besonders erst nach der Blüte und Samenbildung gemäht, damit die vielen wertvollen Wildkräuter und Wildblumen wie beispielsweise Sauerampfer, Wiesenknopf, Teufelskralle, Gemeines Kreuzblümchen oder Echtes Mädesüß den Schmetterlingen als Futterpflanzen und zur Eiablage dienen können.

Voraussetzung für den Erhalt der 10000 m² der Reifenberger Wiesen ist, dass ausreichend Spendengelder zur Verfügung gestellt werden. Die benötigte Spendensumme beträgt 17000 Euro. Jeder, der spenden möchte, kann symbolisch ein Stück Land von 3 m² für 5 Euro erwerben und damit Pate des Schmetterlingsparadieses in den Reifenberger Wiesen werden, die unter anderem auch Ringelnattern und Echte Arnika beherbergen. Wer möchte, der kann auch eine oder mehrere Patenschaften verschenken. Eine dementsprechende Urkunde wird auf Wunsch auf den jeweiligen Namen des Beschenkten ausgestellt. Interessenten finden auf naturefund.de weitere Informationen.

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