Eine Ballettkomödie von Moliére im Schlossparktheater

Verfasst von: Dipl. Päd. Selena Plaßmann
SCHLOSSPARK THEATER
SCHLOSSPARK THEATER  Bild: Selena Hildebrand
In hervorragender Besetzung wurde ins Repertoire des Berliner Schlossparktheaters „Der Bürger als Edelmann“ aufgenommen. Ludwig der XIV., genannt „Sonnenkönig“, hatte mit dieser Ballettkomödie den weltbekannten Theaterautor der französischen Klassik Moliére, beauftragt. Der König, dessen Leidenschaft dem Tanz und Ballett gehörte, machte Versailles mit Moliérs Unterstützung zu einem kulturellen Mittelpunkt. Tanzend trat der König 1653 in dem Ballett „Die Nacht“ in einer Kostümierung des Sonnengottes Apollon auf.

Den Edelmann spielte Moliére damals selbst. Ein wahrer Aristokrat beschäftigt sich nicht mit Arbeit um zu überleben. Doch nur von „Applaus“ die Miete zu begleichen ist schwierig. Auftragsarbeiten für den König waren eine lukrative Einnahme. Da Moliére jedoch den Machtverhältnissen seiner Zeit gegenüber kritisch eingestellt war, verfasste er den "Bürger als Edelmann" gleichsam als satirische Komödie, die den Hochadel entblößte. Er widmete sein Werk dem italienischen Komponisten Lully; - Mentor des Sonnenkönigs. Der Schauspieler Dieter Hallervorden, der zugleich Intendant des Schlosspark-Theaters in Steglitz ist, spielt den in den Adel verliebten Monsieur Jourdain. Ohne seine finanziellen Zuwendungen wäre das privat geführte Theater sicherlich längst aus der Berliner Theater-Landschaft verschwunden.

Madame Jourdain und Gemahl (Paladin) (Bild: Selena Hildebrand)

Der reiche Edelmann Monsieur Jourdain hat Taler im Überfluss und mit Hilfe der schönen Künste widmet er sich der Veredelung seines Charakters. Nach Molière wären Fechten, Tanzen, Musik und Philosophie die rechte Beschäftigung für dieses Unterfangen. Madame Jourdain hält ihren Gatten zugegebenermaßen für verrückt mit seinem Adelstick und versucht ihm begreiflich zu machen, dass die Maskenzeit längst vorbei ist. Doch Monsieur hält stur an seinem Vorhaben fest und bestellt die entsprechenden Hauslehrer. Der Unterricht in diesem Verwirrspiel beginnt mit Philosophie, sowie den drei geistigen Operationen: Richtiges Verstehen mit Hilfe des Universalen; richtiges Urteilen mit Hilfe der Kategorien; die richtigen Schlüsse ziehen mit Hilfe der Figuren. Das stellt allerdings eine Überforderung für Monsieur Jourdains logisches Empfinden dar und er verliert schnell das Interesse.

Der Philosoph (Bild: Selena Hildebrand)

Als ihm jedoch durch seinen Philosophielehrer bewusst wird, dass er sich schon immer in Prosa ausgedrückt hat in seiner Aussage “Schöne Marquise, Ihre schönen Augen machen mich vor Liebe sterben", die durch keine abgewandelte Satzstellung an Substanz gewinnen könnte - empfindet er vergnügliche Freude. Er ist stolz auf seine Briefwortwahl an die Marquise, schließlich hatte er diese Kunst noch gar nicht studiert! Er bestellt den Philosophen auch für den nächsten Tag. Molière ist während seines Studiums „der schönen Wissenschaften" am Collège de Clermont in Philosophie unterrichtet worden. Die Gedanken des Astronomen und Philosophen Pierre Gassendi, der die rationalistische Philosophie von Descartes ablehnte, wurden mit seinem Freundeskreis leidenschaftlich diskutiert. Inspiriert zum Schauspiel wurde Molière durch den italienischen Komödianten Tiberio Fiorelli, der in seiner Rolle als Scaramouche gefeiert wurde.

Illusion (Bild: Selen Hildebrand)

Als Jean-Baptist Molière schließlich seiner unsterblichen Liebe begegnete, - der Schauspielerin Madeleine Bejart, verzichtete er auf eine gesicherte Anstellung bei Hofe. Zusammen mit Madeleine gründete er in der Hochblüte des Absolutismus das Illustre Théàtre. Der Kostümfilm Marquise zeigt die Welt des Theaterregisseurs Molière. Sophie Marceau spielt in diesem Film eine bezaubernde Kurtisane und Tänzerin, im vorrevolutionären Frankreich. Den Sonnenkönig hält die Marquise charmant auf Distanz. Seine Frage „ Hat mein Feuer euch nicht erwärmt? “ beantwortet sie mit „Die Sonne erhält die Welt, aber wenn der Mond sie berühren sollte, würde er sich Verkühlen.“ Ihr Traum, bei Molière zu spielen, zerplatzt, wonach sie in eine tiefe Depression stürzt. Jean Racine (Tragödien-Dichter am Hofe, - im Film der Gegenspieler von Molière) erkennt ihr darstellerisches Talent und hilft leidenschaftlich ihr Potential zu entfalten.