Die unendliche Geschichte des Buches

Verfasst von: Adina K. Haubner, BA
Die unendliche Geschichte des Buches
Die unendliche Geschichte des Buches  Bild: pixabay.com
Seit jeher hatte der Mensch das Verlangen, das gesprochene Wort auf eine Fläche zu bannen, um es zu konservieren. Durch die Geschichte hindurch hat sich das Äußere des Buches oft gewandelt, sein Material und seine Bestandteile haben sich immer wieder verändert. Seine Historie ist unvorstellbar reich an Vielfalt. Es lohnt sich deshalb einen kurzen Blick auf einige seiner Vorgänger zu werfen.

Die Assyrer, zum Beispiel, benutzten Tontafeln, die es jedoch immer nur als einzelnes Stück gab. War auf einem Stück der Platz ausgegangen, musste eine neue Tafel begonnen werden, die in keinem physischen Zusammenhang zur Vorangegangenen stand. Vor etwa 2.500 Jahren hatten Ägypter, Griechen, Römer und Chinesen die Buchrolle, welche während dem Lesen auf- und abgerollt wurde. Chinesen und Japaner kannten vor ca. 1.200 Jahren auch das Leporello- oder Zickzackbuch, welches wendbare Doppelblätter besaß und sich ebenso zu einer langen Fläche ausrollen ließ. Es handelte sich dabei also um eine Art Mischung aus Codex, unserer heutigen Buchform, und Buchrolle.

Die Inder hingegen kannten das Palmblattbuch, welches, wie der Name schon sagt, aus Palmblättern bestand, die gelocht und mit einer Schnur zusammengebunden waren. Unter Diptychon, Triptychon und Polyptychon verstanden die Römer, vor etwa 2.000 Jahren, Holzwachstafeln, welche durch Ringe zusammengehalten wurden. Ein eindeutiger Fortschritt gegenüber den Tontafeln der Assyrer, denn diese konnten in textlich zusammenhängender Form verwahrt werden. Der Codex kam im vierten Jahrhundert auf und ist die Ursprungsform des Buches, wie wir es kennen. Wenn man sich die oben angeführten Formen vergegenwärtig, welche dem Codex vorangingen, scheint es bemerkenswert wie viel Zeit verging bis der Schritt hin zum dreidimensionalen Korpus geschafft war; so handlich und benutzerfreundlich wie noch nie.

Der Buchumschlag hingegen, hatte bescheidenere Anfänge. Sein ursprünglicher Zweck galt nichts anderem, als dem des Schutzes vor Dreck und Nässe. Heute ist der Umschlag vom Buch gar nicht mehr wegzudenken. Umschläge aus Papier, kamen jedoch erst nach den Kartonhüllen, welche zum Schutz von teuren Einbänden aus Leder, Leinen und Seide verwendet wurden. Doch erst im neunzehnten Jahrhundert begann man, Schutzumschläge zu bedrucken und speziell für ein Werk zu gestalten. So begann der Verleger Thomas Fisher Unwin in den 1890er Jahren, seine Romane mit Bildern zu versehen, die auf eine bestimmte Szene aus der Geschichte hindeuteten.

Diese Illustrationen bestanden aus einem schwarzen Druck auf grünem Packpapier und wurden von einem von Unwins Mitarbeitern angefertigt. Aus heutiger Sicht betrachtet, waren dies natürlich rudimentäre Ansätze der modernen Covergestaltung. Es sollte aber noch eine Weile dauern, bis den dekorativen Schutzumschlägen das gebührende Interesse und Engagement entgegengebracht wurde, das sie verdienen. Denn auch wenn der Schutzumschlag nun mit Illustrationen versehen wurde, wurden meistens keine eigenen, nur für den Umschlag, entworfen. Stattdessen wurden einfach Illustrationen verwendet, die Bestandteil des Buches waren. Es fand sich also des Öfteren auf dem Umschlag und im Inneren des Buches dasselbe Bild.

Auch machte man sich damals wenig Gedanken darüber, welch immense kreative Leistung hinter einem gelungen gestalteten Umschlag steht. Erst in den 1930er Jahren begann man sich langsam mit der Idee des etwaigen Wertes der Umschläge auseinanderzusetzen. Heutzutage sind Bücher mit Originalumschlag von hohem Sammler- und auch Geldwert. Das Cover gilt als die Visitenkarte des Buches und es geht dabei um den gelungenen ersten Eindruck. Das Cover ist das Bezeichnende, die persönliche Note, eine Möglichkeit „aufzutrumpfen“ gegenüber den anderen Kollegen im Regal. Auch heute noch ist das Buch in seiner Form und Gestalt dem Trend der Zeit unterworfen.

Man erinnere sich an die große Debatte darüber, was „besser“ ist und was die vielversprechendere Zukunft hat - das altbewährte Buch oder das innovative E-Book. Goldschnitt, Leseband und gefalztes Papier versus Fortschritt, Schnelligkeit und Platzersparnis. Doch bei beiden handelt es sich um nichts anderes, als völlig unterschiedliche Darstellungsmöglichkeiten ein und derselben Sache. Das Buch wie wir es kennen ist über 500 Jahre alt. Gelesen und geschrieben wurde aber bereits Jahrtausende davor. Denn das geschriebene Wort in sich selbst, ist unabhängig von seiner Form der Darstellung und die Geschichte des Buches ist somit wahrhaftig eine Geschichte ohne absehbares Ende.

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