Die Magie der friedlichen körperlichen Agitation

Verfasst von: Dipl. Päd. Selena Plaßmann
Anna Halprin hatte die Vision, durch das gemeinsame Tanzritual des Planetary Dance Wandel zu initiieren. Sie übersetzte die Rituale die sie von den Pomo- Indianern empfangen hatte, in eine zeitgenössische westlichen Form und war überzeugt, dass die Welt eines Tages in einen friedlichen Dialog treten könnte. Basierend auf anatomischen und kinesiologischen Kenntnissen und Erfahrungen, lernen bewegungsfreudige Menschen, in der Natur ihrer Intuition und dem Impuls der Improvisation zu folgen. Es bedarf dazu keiner tänzerischen Vorbildung.Halprin wollte die konservativen Gepflogenheiten im Tanz ihrer Zeit durchbrechen, um neue künstlerische Räume zu öffnen.

Aus Landschaftskunst entstand ein Begegnungsraum für Menschen. Weite offene Landschaftsareale laden dazu ein, gemeinsam in der Natur tänzerisch zu improvisieren. Ein wesentlicher Aspekt ist, dass das Tanzritual , ein Ritual das mit einer höheren Kraft verbunden ist, in der Absicht praktiziert wird einen Heilungs - und Transformationsprozess zu zulassen. Der aus dem Planetary Dance abgeleitete Earth Run wird mittlerweile im Frühling, in vielen Ländern der Welt getanzt. Dadurch wird ermöglicht, dass ein zeitgenössisches Friedenstanzritual über Landesgrenzen hinweg, in den eigenen Gemeinschaften zu Verbundenheit führt und sich darüber hinaus über den Globus ausbreitet und weiter entwickelt.

Geprägt von den Ideen ihrer Zeit und der sie umgebenen expressionistischen Künstler vertraten Tänzer die Auffassung, über tradierte Konventionen hinweg, dass der öffentliche Lebensraum jedem Individuum zur Entfaltung seiner persönlichen Anliegen und politischer Manifestationen zur Verfügung stehen sollte. Die Nutzung des öffentlichen Raums wurde nicht nur in Amerika ein wesentliches Merkmal der tänzerischen Avantgarde. Unter dem Eindruck einer allgemeinen Politisierung großer Teile der Gesellschaft in den sechziger Jahren (Studentenbewegung, Black Power, Bürgerrechtsbewegung, Anti-Vietnamkriegs-Protest etc.) forderten Tänzer und Künstler schon damals, Tanz als Manifestation und Ausdrucksmittel politischen Bewusstseins zu verstehen. Der normale Bühnenraum wurde in den öffentlichen Raum transferiert.

Die Gesetzeshüter reagierten teilweise mit wenig Verständnis. Trotzdem ließen sich die Künstler davon nicht abschrecken, auch nicht davor, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, wenn sie den öffentlichen Raum ohne vorher eingeholte Genehmigungen zur Bühne ihrer Kunst machte. Vor allem in San Francisco bildete sich in den folgenden Jahren eine ganz eigene Kunstszene heraus. Der Dichter und Literaturkritiker Kenneth Rexroth hatte eine Schriftstellerbewegung gegründet, die als „Beat Generation“ weltweiten Ruhm erlangte. Der Außenbezirk von San Francisco Haight-Ashbury wurde zum Anziehungspunkt der Blumenkinder. 1967 versammelten sich zwanzigtausend Menschen zu einem Gratiskonzert im Golden Gate Park und begründeten die Legende vom Summer of Love.

Faszinierend und inspirierend war die Arbeit Grotowskis. Das experimentelle Theater des Jerzy Grotowski, der von Stanislawski inspiriert worden war, implizierte eine veränderte Beziehung zwischen Darsteller und Publikum. In der 1955 gegründeten Company, San Franciscos Dancer Workshop, in der auch nicht professionell ausgebildete Tänzer mitarbeiteten, entstand ein unmittelbarer Kontakt zu den Zuschauern. Die Tänzer suchten die künstlerische Auseinandersetzung und den unmittelbaren Kontakt mit den Bewohnern, statt mit einem zahlenden Publikum. Orte in der Stadt und in der Natur wurden zur Bühne ihrer Kunst und zum Gestaltungsraum. Die persönlichen Geschichten der Tänzer, die ihren individuellen und authentischen Ausdruck im Tanz finden, stehen im Vordergrund und ersetzten überlieferte Tanztechniken.

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